E-Mail: Ein häufig unterschätztes Kommunikations-Tool

Die E-Mail: Ein fast in Vergessenheit geratenes Tool

Die E-Mail: Ein fast in Vergessenheit geratenes Tool

Im Laufe der letzten zweieinhalb Jahre, seitdem ich für die E-Plus Gruppe in der politischen Kommunikation tätig bin, musste ich feststellen und lernen, dass das Digitale, egal wie sehr wir es auch propagieren, nicht bei Allen ankommt.

Gerade im politischen Betrieb sind Medien aus Holz, Papier also, noch immer sehr gefragt. Wenn wir also extrem großen Wert darauf legen, dass eine Information beim Rezipienten ankommt, kommunizieren wir sie nicht nur über unser Blog UdL Digital (und somit über twitter, facebook und Google+) sondern auch und vor allem per Brief.

Killt Social Media die E-Mail?

Ein Tool, das in der öffentlichen Wahrnehmung mit Aufkommen von Social Media immer stärker in den Hintergrund gerückt ist, ist – kein Witz – die E-Mail. Jahrelang habe ich bei mir selbst die Tendenz wahrgenommen, dass die wesentlichen Informationen mich am schnellsten über twitter, RSS-Reader und facebook (in dieser Reiheinfolge) erreichen. Und dann kam irgendwann der Punkt, an dem ich vor lauter Informationen den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr gesehen habe.

In erster Konsequenz habe ich meinen Stream bei facebook und twitter schlanker gefasst – weniger Menschen, denen ich folge; weniger Unternehmen, die ich „mag“. Und natürlich habe ich Blogs aus meinem RSS-Reader gelöscht. Doch das allein reichte nicht aus. Immer noch zu viele Informationen. Und vor allem zu viele Informationen, die mir eigentlich wichtig sind und mich trotzdem nicht erreichen, weil sie in einem Stream zu massive Konkurrenz erfahren.

E-Mail kommen an – garantiert

Was sich als extrem sinnvolle Maßnahme erwiesen hat: Ich habe Dienste, die mir wichtig waren, und die ich bis dato hauptsächlich über Social Media rezipiert habe, per Mail als Newsletter abonniert. Das geht nicht nur bei Diensten wie turi2, Meedia etc., auch viele Blogger bieten das an – etwa Nico Lumma oder Christian Bölling.

Nun gibt es diesen Service auch hier bei The Communist. Was man dafür leisten muss? Die eigene E-Mail Adresse rechts in der Navigation unter Newsletter eintragen. Prompt landet jeder neue Beitrag per Mail im digitalen Briefkasten. Klingt sehr simpel und fast banal? Ist es auch. Für mich aber war es die mit Abstand effizienteste Maßnahme, um solche Medien, deren Beiträge mich interessieren, garantiert nicht mehr zu verpassen.

Und wer am Ende das Gefühl hat, zu viele E-Mail zu erhalten, sollte sich Unroll.me anschauen. Mit diesem sehr hilfreichen Service kann man innerhalb von Sekunden Newsletter abbestellen.

Punchline: Das A und O in der Kommunikation

Muhammad Ali war ein Meister der Punchline - im Ring und außerhalb

Muhammad Ali war ein Meister der Punchline – im Ring und außerhalb

Die Punchline ist das A und O in der Kommunikation, schließlich sorgt sie dafür, dass aus einem guten Gedanken eine Schlagzeile wird. Der Schlüssel für eine starke Punchline: Vorbereitung und twitter.

Es gab Zeiten, sie liegen noch keine Ewigkeit zurück, da waren Gespräche mit klassischen Medien, also Interviews, für viele Unternehmen die einzige Möglichkeit, einen Mitarbeiter, ob nun Geschäftsführer, Pressesprecher oder Sonstigen, mit Bild und Stimme zu „platzieren“. Heute hingegen kann man für den CEO oder jeden anderen Mitarbeiter ein Profil auf twitter, facebook, Google + und vielen anderen Netzwerken einrichten, Statements abgeben und so dem Unternehmen viele verschiedene Gesichter geben. Dies bringt auch einige Herausforderungen mit sich (und damit meine ich nicht die Social Media Governance und somit Social Media Guidelines).

In der Kommunikations-Steinzeit, also hauptsächlich vor dem Jahr 2006, war es so, dass die wenigsten Unternehmen täglich mit der Presse kommunizierten. Schlägt man die Tageszeitung auf und verfolgt die Berichterstattung über mehrere Tage, stellt man fest, dass vielleicht über 500 oder auch 600 Unternehmen im Wirtschaftsteil regelmäßig berichtet wird. Insofern war es damals enorm wichtig, dass man die wenigen Gelegenheiten, die sich einem boten, nutzt. Teilweise über Wochen hinweg wurden Wordings vorbereitet, abgestimmt und Gesprächssituationen geprobt.

Wordings zur Vorbereitung

Wordings mussten kurz, knapp, präzise und pointiert sein – so dass andere Medien sie leicht zitieren konnten. Gerade twitter mit seiner Beschränkung auf 140 Zeichen hat dazu geführt, dass heute viel mehr Menschen als jemals zuvor imstande sind, auch komplexeste Sachverhalte so kurz und knackig zusammenzufassen, dass sie zitierfähig sind.

Aufgrund der Tatsache aber, dass wir heute bei twitter, auf facebook in einem Blog, auf einem Google+-Profil, per Mail und ich weiß nicht wo noch alles schriftlich miteinander kommunizieren, extern kommunizieren, und auf diese Art permanent Öffentlichkeiten erreichen, sind die langen Vorbereitungszeiten, das Training, oft Geschichte. Nur in den allerseltensten Fällen nehmen wir uns die Zeit, über eine Punchline nachzudenken. Den Begriff hat Sascha Lobo kürzlich in der FTD geprägt. Er erzählt davon, wie wichtig ihm Vorbereitung sei und dass er sich vorab stets zwei oder drei einprägsame Sätze, die einen „Erkenntnisgewinn“ bieten, überlegt. Als Punch bezeichnet man im Boxen einen harten Treffer. Eine Punchline ist also eine Aussage, die sitzt.

Punchlines ohne Ende im US-Wahlkampf

Im Tagesspiegel ist unlängst ein Bericht über den US-Wahlkampf in den Online-Medien erschienen. Darin wird Lobos Punchline aufgenommen und auf Spitze getrieben: „In der Vergangenheit enthielten politische Reden vielleicht ein, zwei starke, zugespitzte Sätze, formuliert für den Zweck, von den Zeitungen des Folgetages als wörtliche Zitate aufgegriffen zu werden. Heute allerdings schauen sich Wähler die Reden gleich in Gänze auf Youtube an und entscheiden selbst, welche Teile sie am besten finden. Die Redenschreiber haben sich darauf eingestellt und versuchen jetzt, jeden Satz wie ein knackiges Zitat klingen zu lassen.“

Keine Punchline – kein Treffer

Bleiben wir beim Bild des Boxers: Es gibt Kämpfer, die permanent aktiv sind, über eine hervorragende Beinarbeit verfügen – aber keine Treffer setzen. Es gibt auch das krasse Gegenteil: Ein Boxer, der mit einem einzigen Schlag seinen Gegner einen K.O. zufügen kann. Und natürlich viele Variationen dazwischen. Unterm Strich aber gewinnt man weder einen Box-Kampf ohne Treffer, noch ist man in der Kommunikation erfolgreich, wenn man ohne Punchlines arbeitet.

Insofern kann man das Training des Boxers kopieren. Wer ein erfolgreiches Interview absolvieren möchte, sollte an seinem Punch arbeiten. In der Regel werden vorab Gesprächsblöcke, Schwerpunktthemen mit dem Journalisten abgesprochen. Auch für die Presse ist es von Vorteil, wenn der Gesprächspartner gut vorbereitet ist und präzise Antworten geben kann. Zu jedem Gesprächsblock sollte man am besten eine Punchline vorbereiten. Diese kann sich durchaus an twitter orientieren, heißt also: In 140 Zeichen eine Pointe verpacken. Dann bleiben von einem Interview nicht nur ein angenehmer Eindruck sondern auch zitierfähige Aussagen.