Drei Bücher, die Vieles verändern (können)

Hörbücher lassen sich gut lesen.

Hörbücher lassen sich gut lesen.

Ich habe in den letzten Monaten eine neue Form des Lesens für mich entdeckt, die ich gerne vorstellen möchte. Ich weiß, dass Hörbücher an und für sich schon lange keine Innovation mehr darstellen und es sehr viele Menschen gibt, die sie seit vielen Jahren nutzen. Ich allerdings habe bis dato darauf verzichtet, weil es mir schwer fiel, mich auf “das gesprochene Wort” zu konzentrieren; hinzu kam, dass ich, wann immer ich Bücher “auditiv las”, das Gefühl hatte, müde zu werden. Warum nun der Sinneswandel? Weil ich im November letzten Jahres verstanden habe, dass ich Hörbücher im falschen Moment “lesen” wollte. Der für mich richtige Moment für ein Hörbuch ist der Weg von und zur Arbeit (ob nun in der Bahn oder im Auto). Dann bin ich nicht nur aufnahmefähig, ich bin auch imstande, die Eindrücke dermaßen schnell zu verarbeiten, dass mir viele Ideen für meine eigene Arbeit in den Sinn kommen.

Im November schloss ich ein Flexi-Abo bei Audible ab und lade seitdem im Rahmen dieses Abonnements ein Buch im Monat für 9,95 Euro runter. Seitdem habe ich drei Bücher gehört, die mir nicht nur sehr gut gefallen haben, sondern die auch teilweise meine Denk- und Arbeitsweise verändert haben, so dass ich sie gerne vorstellen möchte.

Delivering Happiness (von Tony Hsieh)

Zappos ist eine Legende – nicht unbedingt, weil das Unternehmen aus den USA schon vor gut zehn Jahren damit anfing, Schuhe (und mittlerweile auch noch viele andere Produkte) über das Internet zu verkaufen. Vielmehr ist Zappos ein Unternehmen, das wie kaum ein anderes eine “Kultur” propagiert – unter den Mitarbeitern und vor allem auch im Hinblick auf den Kunden. Wie oft hört man “Der Kunde ist König”, erlebt dann aber eine komplett andere Handlungsweise? Nicht so bei Zappos. Tony Hsieh, Geschäftsführer von Zappos, erzählt in “Delivering Happiness”, wie und vor allem wieso Zappos nicht einfach nur Schuhe verkauft, sondern aus dem virtuellen Schuhkauf ein Kundenerlebnis kreiert hat. Darüber hinaus lernt man als Leser sehr viel über Mitarbeiterführung und -motivation. Und schließlich ist es Tony Hsieh mit “Delivering Happiness” gelungen, dass ich erstmals darüber nachdenke, selbst eine Produktidee umzusetzen.

Download-Link bei Audible

The Happiness Advantage (von Shawn Archor)

Die klassische Pychologie beschäftigt sich (massiv vereinfacht und sachlich mit Sicherheit nicht vollkommen richtig dargestellt) mit Menschen, die unterdurchschnittlich glücklich sind und der Frage, ob und wie es gelingen kann, dass sie durchschnittlich glücklich werden. Positive Psychologie hingegen geht der Frage nach, wie man aus durchschnittlich zufriedenen überdurchschnittlich glückliche Menschen machen kann. Eins vorweg: Ich bin kein Fan von Esoterik und Selbsthilfe-Ratgebern. Als Solchen habe ich “The Happiness Advantage” aber auch nicht empfunden. Das Buch agiert sehr wissenschaftlich, führt eine Menge substanzieller Studien auf und erklärt vor allem anhand zahlreicher Beispiele, wie man für sich selbst einen Weg finden kann, Glück bewusster wahrzunehmen. Bin ich, seit ich, “The Hapiness Advantage” gelesen habe, ein glücklicherer Mensch? Wahrscheinlich nicht. Aber ich erlebe mein Glück (das Alltägliche und Außergewöhnliche) wesentlich bewusster. Randnotiz: Auf das Buch bin ich durch “Delivering Happiness” gekommen; Tony Hsieh empfiehlt es.

Download-Link bei Audible

Start with why (von Simon Sinek)

Wie kommt es, dass einige Unternehmen erfolgreich sind – und andere nicht? Wie kommt es, dass einige Unternehmen ein tolles Produkt auf den Markt bringen und trotzdem scheitern? Und wie kommt es, dass einige Unternehmen weitaus mehr zu scheinen als nur ein Unternehmen? Man denke nur an Apple. Simon Sinek hat eine Erklärung dafür: Während einige Unternehmen sich auf das “Was” konzentrieren und eventuell noch das “Wie” beherzigen, fokussieren sich andere Unternehmen auf das “Warum”. Sie kreieren auf diese Weise nicht nur Produkte und womöglich sogar eine Kultur, sondern schaffen eine Bewegung und einen Kult. Sinek bringt es in einem Mantra, das er immer wieder aufsagt, auf den Punkt: “People don’t buy what you do, the buy why you do it.” Und tatsächlich: Wenn ich an meine eigenen Erfahrungen denke, stelle ich fest, dass einige Projekte wesentlich erfolgreicher waren als andere, weil es mir gelungen ist, nicht nur ein “Warum” vor meinem eigenen Auge zu haben, sondern dieses auch entsprechend zu kommunizieren. Dadurch konnte ich nicht nur Aufmerksamkeit sondern echte Anhänger gewinnen. Insofern ist “Start with why” nicht nur für Unternehmer sondern auch für Kommunikations-Verantwortliche ein absolut lesenswertes Werk.

Download-Link bei Audible

Welche Bücher (mit einem Fokus auf PR, Kommunikation, Social Media, Marketing, Wirtschaft und Arbeit) habt Ihr zuletzt gelesen? Welche davon haben Euch begeistert und vielleicht auch verändert?

Disclaimer: Ich stehe in keinerlei Beziehung zu Audible. Ich kenne Paul Fritze, Leiter Neukundenmarketing & Social Media bei Audible, persönlich; wir gehen häufiger miteinander essen – wobei wir uns gegenseitig einladen. Was ich damit sagen möchte: Mein positiver Eindruck von Audible resultiert aus dem sehr guten Produkt und nicht aus meiner Freundschaft zu Paul.

Der Weg zum TED-Talk

Beim Workshop mit Ole kann man Gedanken ordnen

Beim Workshop mit Ole kann man Gedanken ordnen und an sich arbeiten

Ende 2011 waren meine Kollegen und ich für den Politikaward nominiert. Erstmals gab es die Kategorie Social Media; klar, dass wir uns dafür (mit UdL Digital und dem BASE_camp) bewerben mussten. Uns war bewusst, dass es, wenn wir gewinnen wollten, nicht reichen würde, “nur” unser Konzept zu präsentieren. Das hatten wir in der Vergangenheit schon zu häufig getan. Der Aha-Effekt würde relativ gering ausfallen. Über mehrere Tage hinweg suchten wir nach einem probaten Ansatz – konnten ihn aber nicht finden.

TED-Talk als Lösung

Mein ehemaliger Chef, Gunnar Bender (arbeitet mittlerweile bei facebook), meinte, dass wir uns mal mit Ole Tillmann zusammensetzen sollten. Ole war uns allen nicht persönlich bekannt, aber ein Begriff – als Schauspieler und vor allem als Coach der TEDx-Berlin-Events. Gunnar und ich sind schon lange große Fans der TED-Talks. Was uns dabei stets fasziniert: Die Art und Weise, wie die Vortragenden den Hörer mit auf eine Reise nehmen und ihn Stück für Stück tiefer in die Geschichte ziehen, so dass er sich ihr weder entziehen kann noch möchte. So wollten wir beim Politikaward ebenfalls auftreten. Also trafen wir uns mit Ole Tillmann.

Mir wird bisweilen vorgeworfen, ich würde zu stark mit Übertreibungen als kommunikativem Stilmittel arbeiten. Das mag stimmen, in diesem Fall aber ist es keine Überhöhung, wenn ich sage, dass die Arbeit mit Ole ein erhellendes und für mich bahnbrechendes Erlebnis war. Ole hat uns um seinen großen Tisch gesetzt und meinte, dass wir – ohne jede Wertung – jeder für sich erzählen sollten, warum wir UdL Digital und das BASE_camp ins Leben gerufen haben, was wir uns davon versprechen, welchen Mehrwert wir Menschen damit geben möchten und warum wir glauben, dass wir dafür einen Preis verdienen. Und während wir darüber sinnierten, notierte er sich Punkt um Punkt und stellte uns hinterher Fragen, die uns klar machten, dass die Geschichte, die wir erzählen wollten, längst geschrieben ist. Vor lauter Bäumen haben wir den Wald nicht gesehen.

Tipps vom Profi

Also skizzierte er uns einen möglichen Aufbau und führte mir vor, wie ich diesen präsentieren konnte. Eine seiner Kernaussagen: Ich kann Dir die Geschichte nicht aufschreiben, dann wäre es meine Geschichte. Du solltest sie ebenfalls nicht aufschreiben, denn Geschichten sollten “live” erzählt werden. Du musst spüren, welche Schwerpunkte beim Publikum besser ankommen könnten und sie entsprechend akzentuieren. Interagier stets mit dem Publikum. Sei Deine Geschichte.

Die Arbeit mit Ole hat damals in Summe nur wenige Stunden gedauert, aber sie hat mein Denken und auch mich als Person verändert. Storytelling ist seitdem ein wesentliches Element meiner täglichen Arbeit. Die Fokussierung auf mein Gegenüber nimmt eine wesentlich zentralere Rolle ein. Und schließlich habe ich sehr viel über Körpersprache und Rhetorik gelernt.

Warum ich das alles schreibe? Ich möchte Ole Tillmann nicht nur loben, sondern eine Veranstaltung empfehlen, bei der man für lediglich 50 Euro sehr viel von Ole Tillmann lernen kann. Er wird nämlich am 25. Februar im BASE_camp ein Workshop veranstalten, bei dem die Zuhörer lernen können, was einen guten TED-Talk ausmacht. Das Geld wird komplett an die Sozialhelden von Raul Krauthausen gespendet. Raul selbst wird ebenfalls da sein.

Seitdem wir das BASE_camp Anfang 2011 eröffnet haben, habe ich mich selten so sehr auf ein Event gefreut wie auf dieses hier. Weil ich weiß, dass die Zuhöhrer mit einem riesigen Koffer an Ideen und Inspiration nach Hause gehen und zufrieden sein werden. Und darum geht es doch, oder?

P.S.: Den Preis haben wir übrigens gewonnen.