Contactually: Ein Tool, um im Kommunikations-Jungle nicht unterzugehen

Digitale Kommunikation ist super; sie sorgt dafür, dass ich quasi in Echtzeit mit einer unermesslich großen Zahl von Menschen in Kontakt treten kann. Bisweilen kann der omnipräsente Feedback-Kanal aber auch Negatives bewirken: Durch (zu) viel Resonanz verliert man einige Menschen aus den Augen, weil man ohnehin meint, ständig in Kontakt zu sein. Dann sieht man sich einige Monate später zufällig wieder und stellt fest: Wir haben uns aus den Augen verloren. Nun gibt es ein Tool, das dem entgegen wirken möchte: Contactually.

Das Contactually-Logo

Das Contactually-Logo

Klassische Lösungen sind viel zu teuer

Im Laufe der letzten zwei Jahre habe ich – begünstigt durch knapp 200 Events im BASE_camp – mehrere Tausend Menschen getroffen und gesprochen. Einige von ihnen habe ich besser kennen gelernt, bei den meisten aber blieb es beim Hallo. Dabei wollten wir uns doch noch mal wegen dieses eines Themas zusammensetzen. Und vielleicht auch ein gemeinsames Event im BASE_camp initiieren. Würde super für beide Seite passen. Dann aber kam das nächste Event um die Ecke, und wir haben uns aus den Augen verloren. Zwischen November 2012 und Februar 2013 habe ich mich erst zögerlich und dann ernsthaft mit dem Gedanken beschäftigt, selbst ein Tool zu entwickeln, das mich automatisch daran erinnern würde, Person A nicht aus den Augen zu verlieren. Ich konnte kaum fassen, dass es ein solches Instrument nicht gibt – jenseits von teuren und für mich auch zu umfangreichen CRM- bzw. Sales-Tools (die eher für Organisationen denn Einzel-Personen entwickelt wurden). Schließlich aber fand ich Contactually – einen amerikanischen Dienst, der mir die benötigte Leistung bietet.

Die Lösung heißt Contactually

Contactually funktioniert wie folgt: Über Schnittstellen zu facebook, twitter, LinkedIn und vor allem auch Outlook und GMail werden Kontakte importiert. Anschließend definiert man sie nach Bedeutung und stellt ein, wie oft man mit welchen Kontakten kommunizieren sollte und möchte. Das ist am Anfang mühsam und nervt auch ein wenig. Aber: Wie so oft, wenn man Verteiler erstellt, macht sich diese Arbeit später bezahlt. Contactually fängt an, im Hintergrund zu arbeiten und empfiehlt einem in der Folge, Person A bzw. B zu kontaktieren. Schließlich habe man schon länger nichts mehr voneinander gehört. Wie Contactually das herausfindet? Nun, hier fängt das deutsche Herz – geprägt durch das furchtbare Wort Datenschutz – an zu bluten: Man gewährt (muss man aber auch nicht) Contactually über die entsprechende Schnittstelle Zugriff auf GMail, facebook und LinkedIn. Contactually bekommt es also mit, wenn sich Person A bei mir meldet oder ich mich bei Person B melde.

Ich teste Contactually nunmehr seit etwas einem Monat und bin im Großen und Ganzen sehr angetan: Ich habe gleich zu einer Vielzahl von Menschen den Kontakt wieder hergestellt. Mir war es noch nicht einmal bewusst, zu wie vielen Menschen ich den Kontakt verloren habe. Grob fahrlässig ist das, weil besagte Menschen nicht nur für mich persönlich sondern auch für meine Arbeit sehr wertvoll sein können. Davon abgesehen dass der Kontakt, das Gespräch also, bereichernd ist. Bevor ich aber zu einer Bewertung komme, möchte ich ein Gespräch, das ich mit dem Contactually-CEO Zvi Band geführt habe, abbilden. Das Gespräch fand auf Englisch statt.

Das Contactually-Dashboard

Das Contactually-Dashboard

Is it easier or harder to stay in touch in times of facebook, twitter, LinkedIn and all the other services?

Zvi Band: It’s harder. Social media and an increasing reliance on virtual communications allow us to connect with more people, more often, but we’re only interacting with people 140 characters at a time. The strong bonds that used to form naturally with physical proximity and face to face communication now have to be purposefully developer.

Why do we need a service like Contactually?

Zvi Band: As we rely more on online communications, we need a personal assistant to ensure we are staying on track, and following up with the right people that help our business in the long term – not just the top 1% of our Inbox.

Who is your target group?

Zvi Band: We’ve seen Contactually work incredibly well for anyone who relies on their relationships in order to grow their business – sales, networkers, small business owners, financial advisors, etc. We’ve seen very strong growth in real estate, as for a real estate agent, following up with their contacts is the best way to close and drive business.

What’s your mission?

Zvi Band: Our mission is to build the perfect solution to allow business professionals to unlock more opportunities for themselves, while staying organized and having peace of mind.

What are the next steps?

Zvi Band: You’ll see a lot more features improving on our core experience – with a lot of thought put in to how people can connect with their contacts, where they want to, and how they can work with others to manage their relationships.

In Germany Xing is much bigger than LinkedIn. Are there any plans to integrate their API?

Zvi Band: That is definitely coming as we expand to other countries and platforms.

Auch Contactually hat (noch) Schwächen

Meine Bewertung: In erster Linie bin ich unendlich dankbar, dass es einen Dienst wie Contactually gibt. Endlich bin ich tatsächlich imstande, die “Beziehung” zu ca. 500 Kontakten im Auge zu behalten und mit ihnen in Kontakt zu bleiben. Die Seite ist nicht schwer zu bedienen, gleichwohl versprüht die optische Gestaltung nicht unbedingt Lust auf eine intensive Nutzung. Da wird Contactually in der Zukunft noch ran müssen. Zwei Schwachstellen konnte ich identifizieren: Mir fehlt eine App; die soll aber in den nächsten Wochen kommen. Und: Der Preis für umfassende Nutzung von Contactually fällt mit 19.99 Dollar im Monat für meinen Geschmack deutlich zu hoch aus. Es gibt eine kostenlose Version, die für mich allerdings vom Funktionsumfang zu dünn ist.

Wer sich selbst von Contactually überzeugen möchte, kann sich hier anmelden und den Dienst einen Monat kostenlos testen.