Punchline: Das A und O in der Kommunikation

Muhammad Ali war ein Meister der Punchline - im Ring und außerhalb

Muhammad Ali war ein Meister der Punchline – im Ring und außerhalb

Die Punchline ist das A und O in der Kommunikation, schließlich sorgt sie dafür, dass aus einem guten Gedanken eine Schlagzeile wird. Der Schlüssel für eine starke Punchline: Vorbereitung und twitter.

Es gab Zeiten, sie liegen noch keine Ewigkeit zurück, da waren Gespräche mit klassischen Medien, also Interviews, für viele Unternehmen die einzige Möglichkeit, einen Mitarbeiter, ob nun Geschäftsführer, Pressesprecher oder Sonstigen, mit Bild und Stimme zu „platzieren“. Heute hingegen kann man für den CEO oder jeden anderen Mitarbeiter ein Profil auf twitter, facebook, Google + und vielen anderen Netzwerken einrichten, Statements abgeben und so dem Unternehmen viele verschiedene Gesichter geben. Dies bringt auch einige Herausforderungen mit sich (und damit meine ich nicht die Social Media Governance und somit Social Media Guidelines).

In der Kommunikations-Steinzeit, also hauptsächlich vor dem Jahr 2006, war es so, dass die wenigsten Unternehmen täglich mit der Presse kommunizierten. Schlägt man die Tageszeitung auf und verfolgt die Berichterstattung über mehrere Tage, stellt man fest, dass vielleicht über 500 oder auch 600 Unternehmen im Wirtschaftsteil regelmäßig berichtet wird. Insofern war es damals enorm wichtig, dass man die wenigen Gelegenheiten, die sich einem boten, nutzt. Teilweise über Wochen hinweg wurden Wordings vorbereitet, abgestimmt und Gesprächssituationen geprobt.

Wordings zur Vorbereitung

Wordings mussten kurz, knapp, präzise und pointiert sein – so dass andere Medien sie leicht zitieren konnten. Gerade twitter mit seiner Beschränkung auf 140 Zeichen hat dazu geführt, dass heute viel mehr Menschen als jemals zuvor imstande sind, auch komplexeste Sachverhalte so kurz und knackig zusammenzufassen, dass sie zitierfähig sind.

Aufgrund der Tatsache aber, dass wir heute bei twitter, auf facebook in einem Blog, auf einem Google+-Profil, per Mail und ich weiß nicht wo noch alles schriftlich miteinander kommunizieren, extern kommunizieren, und auf diese Art permanent Öffentlichkeiten erreichen, sind die langen Vorbereitungszeiten, das Training, oft Geschichte. Nur in den allerseltensten Fällen nehmen wir uns die Zeit, über eine Punchline nachzudenken. Den Begriff hat Sascha Lobo kürzlich in der FTD geprägt. Er erzählt davon, wie wichtig ihm Vorbereitung sei und dass er sich vorab stets zwei oder drei einprägsame Sätze, die einen „Erkenntnisgewinn“ bieten, überlegt. Als Punch bezeichnet man im Boxen einen harten Treffer. Eine Punchline ist also eine Aussage, die sitzt.

Punchlines ohne Ende im US-Wahlkampf

Im Tagesspiegel ist unlängst ein Bericht über den US-Wahlkampf in den Online-Medien erschienen. Darin wird Lobos Punchline aufgenommen und auf Spitze getrieben: „In der Vergangenheit enthielten politische Reden vielleicht ein, zwei starke, zugespitzte Sätze, formuliert für den Zweck, von den Zeitungen des Folgetages als wörtliche Zitate aufgegriffen zu werden. Heute allerdings schauen sich Wähler die Reden gleich in Gänze auf Youtube an und entscheiden selbst, welche Teile sie am besten finden. Die Redenschreiber haben sich darauf eingestellt und versuchen jetzt, jeden Satz wie ein knackiges Zitat klingen zu lassen.“

Keine Punchline – kein Treffer

Bleiben wir beim Bild des Boxers: Es gibt Kämpfer, die permanent aktiv sind, über eine hervorragende Beinarbeit verfügen – aber keine Treffer setzen. Es gibt auch das krasse Gegenteil: Ein Boxer, der mit einem einzigen Schlag seinen Gegner einen K.O. zufügen kann. Und natürlich viele Variationen dazwischen. Unterm Strich aber gewinnt man weder einen Box-Kampf ohne Treffer, noch ist man in der Kommunikation erfolgreich, wenn man ohne Punchlines arbeitet.

Insofern kann man das Training des Boxers kopieren. Wer ein erfolgreiches Interview absolvieren möchte, sollte an seinem Punch arbeiten. In der Regel werden vorab Gesprächsblöcke, Schwerpunktthemen mit dem Journalisten abgesprochen. Auch für die Presse ist es von Vorteil, wenn der Gesprächspartner gut vorbereitet ist und präzise Antworten geben kann. Zu jedem Gesprächsblock sollte man am besten eine Punchline vorbereiten. Diese kann sich durchaus an twitter orientieren, heißt also: In 140 Zeichen eine Pointe verpacken. Dann bleiben von einem Interview nicht nur ein angenehmer Eindruck sondern auch zitierfähige Aussagen.

  • http://www.facebook.com/andre.paetzel André Paetzel

    Lieber Sachar,

    interessanter Artikel. Zumal ich es gestern am eigenen Leib gespürt habe. Da habe ich ein Radiointerview gegeben und mich nachher gefragt, ob ich es genauso noch einmal gemacht hätte. Ich muss definitiv sagen. NEIN. Da war glaube ich keine gute Punchline zu erkennen. Antworten waren zu. Eindeutig. Aber aus solchen Dingen und solchen Artikeln kann man immer gut lernen. Und wir sind ja noch jung :)

    • sachar

      Woran lag es? Wie lange hast Du Dich darauf vorbereitet? Oder hast Du es einfach so “gemacht”ß

  • http://prformance.blogspot.com/ countUP

    Angenommen: Jemand ist kreativ. Weiß wirklich nicht, welche seiner genialen Punchlines erfolgreich sein werden, weil nach genügend Denkarbeit beispielsweise drei übrigbleiben, wo er sich nicht entscheiden kann, welcher jener sein wird, der sitzt. Dann eignet sich Twitter auch als “Probefeld”.

    Damit muss man aber vorsichtig sein. Ich denke an Situationen, wo zu einem bestimmten Thema sehr viel los sein wird. Die Tweets nur so vorbeirauschen und man auch von anderen sieht, welche Tweets retweetet werden und welche nicht. Also solche Situationen wie neulich #lsr. Dann werden auch mehrere unterschiedliche Tweets zum Thema aufgegriffen – ich bin da noch frei genug als countUP soviel zu twittern wie ich will im Gegensatz vielleicht zu Lobo, von dem viele wissen wollen: Was twitterte Lobo dazu – und meist auch numerisch einen knackigen Tweet erwarten.

    • sachar

      Gerade Lobo aber twittert sehr gezielt und pointiert. Sehr selten twittert er mehr als ein Mal am Tag. Seinen tweets merkt man an, dass er sich sehr ausgiebig mit Inhalt und Form beschäftigt hat. Insofern achtet er auch auf twitter ganz genau auf seine Punchlines.

  • http://amendedestages.com/ Christian

    Erstmal: Schön, dass Du wieder blogst!

    Ich finde gut, dass Du Tipps für die Interview-Planung gibst. Und vielfach mag
    Deine Empfehlung auch korrekt sein – aber eben nur vielfach. Es kommt mE immer
    in der Kommunikation darauf an, dass man den für sich passenden Stil findet -
    egal, ob als CEO, im Vorstellungsgespräch oder beim Anmachen in der Disco. Und
    dieser Stil muss nicht unbedingt bedeuten, dass man die besten Sprüche
    raushaut.

    Klar, Sascha Lobo lebt von seinen Punchlines. Aber er hat auch nur das eine Ziel: Als
    Formulierer guter Punchlines berühmt zu werden/bleiben. Es gibt jedoch auch
    Leute, die anders sehr erfolgreich sind. Schau Dir nur unsere
    Schachtelsatz-Bundeskanzlerin an – und im Vergleich den Herausforderer, der
    perfekte Punchlines formuliert. Sie wirkt vertrauenswürdig, weil sie eher die
    Zuhörerin gibt. Und er könnte am Ende als selbstverliebter
    “Neunmalklug” scheitern – weil er als jemand rüberkommt, der sich vor
    allem gern selbst zuhört. Oder denke an die Social Media Lautsprecher, die zwar
    viele Vortragsangebote haben, die aber zumindest ich nicht als Berater im
    eigenen Unternehmen sitzen haben möchte. 

    Mir ist bewusst, dass Medien die Zuspitzung lieben. Aber man muss dieses Spielchen
    nicht mitspielen. Man sollte wissen, wo man hin will und welche Botschaft man
    streuen möchte. Stilistisch sollte man aber versuchen, bei sich selbst zu
    bleiben. Wenn man Punchlines formulieren kann – prima. Wenn nicht, stellt man
    sich anders auf – und ist ggf. genauso erfolgreich. 

    Soweit meine Meinung :-)

    • sachar

      Ich sehe in Deiner Meinung und meinem Posting keinen Widerspruch. Pointen haben wenig mit dem Verhalten zu tun, das Du meiner Meinung nach zurecht monierst. Gerade unsere Kanzlerin ist eine Meisterin der Punchline – nur nimmt man bei ihr ganz andere Dinge wahr. Was in erster Linie für sie spricht. Niemand sollte als Person auf seine Punchlines reduziert werden, gleichzeitig aber sind Punchlines unverzichtbar, um überhaupt als Person aktiver Teil der Mediengesellschaft zu sein – wenn man das denn möchte.

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