Wozu in Zeiten von facebook ein Blog?

Wozu noch Blogs, wenn es facebook gibt?

Wozu noch Blogs, wenn es facebook gibt?

Herzlich Willkommen bei „The Communist“. Bitte verstehen Sie den Titel nicht falsch. Er ist nicht politisch gemeint. Satire ist zwar nur halb so lustig, wenn sie erklärt wird – gleichwohl möchte ich unter keinen Umständen ein solches Missverständnis riskieren. Es geht in diesem Blog nicht um Politik sondern um Kommunikation. Ich, Sachar Kriwoj, arbeite seit 2001 im Kommunikations-Umfeld, zuerst als Journalist, später als Pressesprecher und aktuell als Leiter Digital Public Affairs bei der E-Plus Gruppe. Ein sperriger Titel. Und vor allem ein Titel, der mehr Fragen aufwirft, als dass er sie beantwortet. Im Laufe der nächsten Monate werde ich näher auf Digital Public Affairs eingehen.

Kommunikation ist ein Teil von uns

Wir schreiben das Jahr 2012. Kommunikation, digitale Kommunikation, erscheint uns mittlerweile selbstverständlich. Dank fast flächendeckendem Internet, Smartphones und Tablets kann heutzutage fast jeder kostengünstig online gehen – und die Menschen tun es auch. Sie nutzen Apps so selbstverständlich, wie sie mit dem Bus fahren. Sie posten auf facebook ebenso routiniert, wie sie den Müll wegbringen. Sie schreiben Mails von unterwegs ebenso beiläufig, wie sie Werbeprospekte durchblättern. Kommunikation ist überall und allgegenwärtig. Vor allem ist Kommunikation schnelllebig geworden – mitunter auch anstrengend. Sekündlich vibriert das Handy und dokumentiert, dass irgendwo ein Sack Reis umgefallen ist. Oder noch schlimmer: Man meint, das Handy würde vibrieren, weil es ja ständig vibriert.

facebook, twitter, Xing und Google+ sind Werkzeuge, auf die das Marketing und die Unternehmenskommunikation schon heute nicht mehr verzichten kann. Wozu dann überhaupt noch Blogs? Sind Blogs im Jahr 2012 noch zeitgemäß? Waren Blogs überhaupt jemals mehr als private Tagebücher?

Wozu noch Blogs?

In meinen Augen sind Blogs heute mehr denn je ein Tool, auf das man als Kommunikator nicht verzichten kann. Gerade weil Kommunikation so schnell geworden ist, braucht es Blogs. Hier müssen Texte keine 140 Zeichen lang sein, hier kann man auch über mehrere Absätze schreiben. Hier haben Texte auch noch Tage, Wochen und vielleicht sogar Monate nach Veröffentlichung eine Daseinsberechtigung und gehen im Stream nicht verloren. Hier kann man den Texten durch ein eigenes Design ein Gesicht, eine Identität geben.

Sucht man bei Google nach „Gründe fürs Bloggen“, findet man drei, fünf, sieben und sogar 99 Gründe fürs Bloggen. Nach fünf Jahren Bloggen kann ich für mich fünf Gründe definieren, warum Bloggen sinnvoll ist:

  •  Eigene Regeln

Bin ich bei facebook, twitter und anderen Plattform von den Geschäftsbedingungen der Anbieter abhängig, die sich unter Umständen auch ändern und somit meine Strategie über Nacht gefährden können, definiere ich in meinem Blog eigene Regeln.

  • Eigene Identität

Auftritte bei twitter oder facebook können variieren, unterm Strich sieht aber alles nach facebook oder twitter aus. In meinem eigenen Blog definiere ich das Design und transportiere so auch Werte, die mir für meine Kommunikation wichtig sind.

  • Mehr Raum für Gedanken

Bei twitter darf ein Update 140 Zeichen lang sein. Bei facebook wurde die Reglementierung aufgehoben; trotzdem gehört es zum guten Ton, sich nicht zu ausschweifend zu äußern. In einem Blog kann man und darf man elaboriert und umfangreich schreiben. Hier kann man seinen Gedanken Raum und Tiefe geben und so auch die Wertigkeit der Beiträge erhöhen.

  • Faktor Zeit

Wird etwas auf twitter oder facebook gepostet, sieht man sich dazu verleitet und fast schon genötigt, innerhalb von Minuten oder Sekunden zu antworten. In dem Kontext spreche ich deshalb gerne von Impulskommunikation; kaum ein intelligenter Mensch ist imstande, sich innerhalb so kurzer Zeit umfangreich Gedanken zu machen und diese dann auch noch sorgfältig zu formulieren. In einem Blog hat man alle Zeit der Welt und sollte sich auch diese nehmen. Ein Blog ist wie ein Körbchen für den Hund; man beschmutzt es nicht. Kleine und große Geschäfte kann man auf twitter und facebook erledigen – mit seinen eigenen vier Wänden hingegen aber geht man sorgsam um.

  • Nachhaltigkeit der Inhalte

Beiträge bei twitter überdauern, wenn es gut läuft, einen halben Tag. Beiträge auf facebook maximal einen Tag. Ein Blog hingegen hat eine ganz andere Dynamik. Durch Suchmaschinen werden auch noch Monate und sogar Jahre später interessierte Besuche angezogen. Somit können Themen erst zu Themen werden und auch den Zeitgeist überdauern.

Wer auch schon mal ein Blog betrieben hat, weiß, dass es jenseits von drei, fünf, sieben oder 99 Gründen eine übergeordnete ganz wesentliche Motivation gibt: Spaß. Solange es mir Spaß macht, werde ich an „The Communist“ schreiben.