Wir machen dieses Social Media

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Es sind schon ein paar Jahre vergangen, seitdem ich meinen Abschluss an der Hochschule machte. Dabei kann ich mich noch sehr deutlich daran erinnern, wie ich wochenlang nach einem Thema für meine Abschlussarbeit suchte und sie nach langem Zögern und Hadern endlich im Wesen von Corporate Blogs fand. Es war das Jahr 2007, und es war damals nicht allzu viel Literatur zu dem Thema vorhanden. Umso dankbarer war ich, als ich Klaus Ecks Buch „Corporate Blogs“ – das man auch heute noch bedenkenlos lesen kann – fand. Ich hatte damals großes Glück, weil Klaus auch noch so nett war und mir als Experte Fragen beantwortete.

Warum man diese Art von Bücher braucht

Immer wieder muss ich mir diese Geschichte vor Augen führen, wenn ich auf Bücher zum Thema Kommunikation und insbesondere zu Social Media stoße. In der Regel nämlich reagiere ich nicht gerade aufgeschlossen, weil ich denke, dass alles, was man zu dem Thema wissen sollte, im Internet steht und man nur zu suchen braucht. So einfach ist das aber eben nicht in allen Lebenslagen (s.o.).

Darum habe ich auch meine Teilnahme zugesagt, als Malina Kruse-Wiegand vor ein paar Monaten auf mich zugekommen ist und mich gefragt habe, ob ich es mir vorstellen kann, ein Kapitel zum Buch „Wir machen dieses Social Media“ beizutragen. Konnte ich – zumal viele Leute, die ich achte, ebenfalls mit an Bord sind: Volker Gaßner (Greenpeace), Thomas Knüwer (kpunktnull), Alexander Lengen (Opel), Jan-Paul Schmidt (Scout24), natürlich Malina (Tchibo) und viele weitere.

Mein Thema: Online trifft auf Offline

Das Thema war schnell klar: Die Kombination von Online- und Offline-Kommunikation oder – wie wir es im Buch genannt haben: „Online trifft Offline – digitale Event-Kommunikation“. Mit diversen UdL Digital-Formaten und dem BASE_camp setzen wir bewusst darauf, die Schwächen von Online-Kommunikation durch persönliche Begegnungen wettzumachen. Wie man das besonders öffentlichkeitswirksam tun kann, das lege ich im Buch „Wir machen dieses Social Media“ dar.

WMDSM_Kriwoj by UdL Digital

Wozu in Zeiten von facebook ein Blog?

Wozu noch Blogs, wenn es facebook gibt?

Wozu noch Blogs, wenn es facebook gibt?

Herzlich Willkommen bei „The Communist“. Bitte verstehen Sie den Titel nicht falsch. Er ist nicht politisch gemeint. Satire ist zwar nur halb so lustig, wenn sie erklärt wird – gleichwohl möchte ich unter keinen Umständen ein solches Missverständnis riskieren. Es geht in diesem Blog nicht um Politik sondern um Kommunikation. Ich, Sachar Kriwoj, arbeite seit 2001 im Kommunikations-Umfeld, zuerst als Journalist, später als Pressesprecher und aktuell als Leiter Digital Public Affairs bei der E-Plus Gruppe. Ein sperriger Titel. Und vor allem ein Titel, der mehr Fragen aufwirft, als dass er sie beantwortet. Im Laufe der nächsten Monate werde ich näher auf Digital Public Affairs eingehen.

Kommunikation ist ein Teil von uns

Wir schreiben das Jahr 2012. Kommunikation, digitale Kommunikation, erscheint uns mittlerweile selbstverständlich. Dank fast flächendeckendem Internet, Smartphones und Tablets kann heutzutage fast jeder kostengünstig online gehen – und die Menschen tun es auch. Sie nutzen Apps so selbstverständlich, wie sie mit dem Bus fahren. Sie posten auf facebook ebenso routiniert, wie sie den Müll wegbringen. Sie schreiben Mails von unterwegs ebenso beiläufig, wie sie Werbeprospekte durchblättern. Kommunikation ist überall und allgegenwärtig. Vor allem ist Kommunikation schnelllebig geworden – mitunter auch anstrengend. Sekündlich vibriert das Handy und dokumentiert, dass irgendwo ein Sack Reis umgefallen ist. Oder noch schlimmer: Man meint, das Handy würde vibrieren, weil es ja ständig vibriert.

facebook, twitter, Xing und Google+ sind Werkzeuge, auf die das Marketing und die Unternehmenskommunikation schon heute nicht mehr verzichten kann. Wozu dann überhaupt noch Blogs? Sind Blogs im Jahr 2012 noch zeitgemäß? Waren Blogs überhaupt jemals mehr als private Tagebücher?

Wozu noch Blogs?

In meinen Augen sind Blogs heute mehr denn je ein Tool, auf das man als Kommunikator nicht verzichten kann. Gerade weil Kommunikation so schnell geworden ist, braucht es Blogs. Hier müssen Texte keine 140 Zeichen lang sein, hier kann man auch über mehrere Absätze schreiben. Hier haben Texte auch noch Tage, Wochen und vielleicht sogar Monate nach Veröffentlichung eine Daseinsberechtigung und gehen im Stream nicht verloren. Hier kann man den Texten durch ein eigenes Design ein Gesicht, eine Identität geben.

Sucht man bei Google nach „Gründe fürs Bloggen“, findet man drei, fünf, sieben und sogar 99 Gründe fürs Bloggen. Nach fünf Jahren Bloggen kann ich für mich fünf Gründe definieren, warum Bloggen sinnvoll ist:

  •  Eigene Regeln

Bin ich bei facebook, twitter und anderen Plattform von den Geschäftsbedingungen der Anbieter abhängig, die sich unter Umständen auch ändern und somit meine Strategie über Nacht gefährden können, definiere ich in meinem Blog eigene Regeln.

  • Eigene Identität

Auftritte bei twitter oder facebook können variieren, unterm Strich sieht aber alles nach facebook oder twitter aus. In meinem eigenen Blog definiere ich das Design und transportiere so auch Werte, die mir für meine Kommunikation wichtig sind.

  • Mehr Raum für Gedanken

Bei twitter darf ein Update 140 Zeichen lang sein. Bei facebook wurde die Reglementierung aufgehoben; trotzdem gehört es zum guten Ton, sich nicht zu ausschweifend zu äußern. In einem Blog kann man und darf man elaboriert und umfangreich schreiben. Hier kann man seinen Gedanken Raum und Tiefe geben und so auch die Wertigkeit der Beiträge erhöhen.

  • Faktor Zeit

Wird etwas auf twitter oder facebook gepostet, sieht man sich dazu verleitet und fast schon genötigt, innerhalb von Minuten oder Sekunden zu antworten. In dem Kontext spreche ich deshalb gerne von Impulskommunikation; kaum ein intelligenter Mensch ist imstande, sich innerhalb so kurzer Zeit umfangreich Gedanken zu machen und diese dann auch noch sorgfältig zu formulieren. In einem Blog hat man alle Zeit der Welt und sollte sich auch diese nehmen. Ein Blog ist wie ein Körbchen für den Hund; man beschmutzt es nicht. Kleine und große Geschäfte kann man auf twitter und facebook erledigen – mit seinen eigenen vier Wänden hingegen aber geht man sorgsam um.

  • Nachhaltigkeit der Inhalte

Beiträge bei twitter überdauern, wenn es gut läuft, einen halben Tag. Beiträge auf facebook maximal einen Tag. Ein Blog hingegen hat eine ganz andere Dynamik. Durch Suchmaschinen werden auch noch Monate und sogar Jahre später interessierte Besuche angezogen. Somit können Themen erst zu Themen werden und auch den Zeitgeist überdauern.

Wer auch schon mal ein Blog betrieben hat, weiß, dass es jenseits von drei, fünf, sieben oder 99 Gründen eine übergeordnete ganz wesentliche Motivation gibt: Spaß. Solange es mir Spaß macht, werde ich an „The Communist“ schreiben.